Gewebte Magnete für den Kunstautomaten: Kleine Kunst aus Wollresten und Pappe
Roberta Bergmann ist Künstlerin hier in Braunschweig und die Gründerin des Podcasts „Der kreative Flow“, so heißt auch ihre Buchreihe. Mehr über sie steht auf robertabergmann.de. Vor etwa 15 Jahren, vielleicht sind es sogar 20, hat sie hier in Braunschweig zusammen mit einem kleinen Designbüro und der Firma Tatendrang Design den Kunstautomaten gestartet. Kleine Kunststücke, in Schachteln gelegt, die man für 4 Euro am Automaten ziehen kann, so wie früher eine Zigarettenschachtel. Die Schachteln sind etwa 6 × 8 Zentimeter groß und gefüllt mit kleiner Kunst: kleine Kunstwerke, Schmuckstücke, Papier, eine winzige Leinwand, ein Mini-Buch. Alles, was in dieses Format hineinpasst.
Roberta hat einen Workshop für Braunschweiger*innen veranstaltet, die Lust haben, kleine Kunst zu machen, und ich hatte mich angemeldet. Meine Idee war eigentlich ein Mini-Buch mit Braunschweig-Pop-ups. Dann habe ich mich gefragt: Warum eigentlich? Mein Hobby ist doch Weben. Ich erinnerte mich an einen Kurs bei Sarah Ward Podlesny aus Großbritannien, die Holzbretter und Steine umwebt. Ihr Buch dazu heißt „Off-loom Weaving“ (Affiliate-Link zu Amazon).
Bei mir lagen Pappreste von Amazon-Bestellungen herum, und ich dachte: Wäre das nicht eine Idee, kleine Magnete zu weben? Kühlschrankmagnete vielleicht nicht, in der Küche wird es fettig. Aber Magnete für die Pinnwand, an die man seine Zettel hängt. Dann habe ich geschaut, was ich an Material habe, denn preislich muss das im Rahmen bleiben. Ich hatte kleine Mini-Magnete da. Klebt man vier oder sechs davon als Block zusammen, halten sie richtig was.
Erst die Pappe
Ich habe die Pappe in kleine quadratische oder rechteckige Stückchen geschnitten. Ob sie perfekt im Gleichgewicht sind, war mir egal, sie müssen sich umwickeln und umweben lassen, mehr nicht. Das erste Webstückchen war viel zu groß, das habe ich sogar fotografiert. Kleiner ist niedlicher, kleiner hat eine andere Wirkung, und kleiner geht viel schneller. Jetzt sind die Stückchen 4 × 3, 5 × 4, manche 6 × 5 Zentimeter groß, ganz unterschiedlich, mit ganz unterschiedlichen Mustern und Farben.


Dann die Wolle
Ich habe eine Resttüte mit Mini-Garnknäueln, die ich mal für irgendeine Aktion gekauft hatte, Baumwolle oder ein Baumwollgemisch. Die habe ich für die erste Runde genommen. Die Farben laufen harmonisch ineinander, weil das ein Paket war. Das muss aber gar nicht so sein. Im Grunde geht es darum, Reste zu verarbeiten, die man so hat.


Weben, Reihe für Reihe
Der erste Schritt: doppelseitiges Klebeband auf die Rückseite, dann das Pappstückchen mit der Kette umwickeln, also mit dem Kettfaden. Danach kommt der Schussfaden, wie wir Weberinnen sagen, und mit ihm das Muster, ein Köper oder ein Waffelmuster. Die Wirkung entsteht beim Einschießen, und das passiert tatsächlich Reihe für Reihe. Man muss sich erst einarbeiten, denn ein Wollfaden aus der Restekiste auf einer festen kleinen Pappe verhält sich anders als auf dem Webrahmen. Ich habe Muster genommen, die ich schon einmal gewebt habe, und in meinen Kursmaterialien nachgeschaut. Die Farben habe ich immer wieder neu gemischt. Ich liebe es ja, mit Farben zu spielen, und das war wirklich eine Freude.
Dazu habe ich eine spezielle Nadel gekauft, die im Kurs empfohlen wurde. Im normalen Kurzwarenhandel habe ich sie noch nicht gefunden. Wie lange eins dauert, kann ich gar nicht sagen. Eine halbe Stunde, zum Ende hin eher eine Viertelstunde. Das erste war sicher fast eine Stunde, weil ich immer wieder aufgemacht, neu zugeschnitten und probiert habe. Das musste sich erst finden.
Hier in Braunschweig gibt es eine Community, die nach kreativen Ideen zum Mitmachen gesucht hat, und ich denke darüber nach, die Webstückchen dort als Mini-Kurs anzubieten. Pappe gibt es genug, Wolle auch, und wer welche hat, bringt sie mit. Mit einer Gruppe von zehn, zwölf Leuten würde ich das einfach mal ausprobieren. Das ist kein Ding, um groß Geld zu verdienen, aber mit Gruppen arbeiten kann ich ja. Vielleicht webt jemand daraus einen quadratischen Knopf, oder ich mache das selbst mal. Einen Knopf würde man natürlich nicht mit Pappe drunter weben, eher mit einem Stück Plastik. Da ist, glaube ich, noch Luft nach oben.




Magnet drauf, fertig
Die Magnete sind selbstklebend, kleine Mini-Magnete mit knapp 10 Millimetern Durchmesser. Davon habe ich immer vier bis sechs Stück als Block hinten draufgeklebt und festgedrückt, in der Hoffnung, dass sie halten. Dann habe ich getestet, was man damit aufhängen kann: bisher zwei bis drei DIN-A4-Zettel auf 80-Gramm-Papier.

Die Parade
25 Stück sind es geworden. Ein Lieblingsstück habe ich behalten, weil ich es so schön finde und weil ich ein Anschauungsstück brauche. Für den Kunstautomaten gibt es jetzt zehn Boxen, dazu eine Anschauungsbox, damit man zeigen kann, was es hier so gibt. Alle sind nummeriert, „Nummer 1 von 25“, „Nummer 2 von 25“ und so weiter. Einige Webstückchen habe ich verschenkt, ich sehe sie auch als kleines Mitbringsel. Roberta fand die Fotos „sehr cool“.
Im Begleitzettel steht: „Wenn du jetzt noch eins kaufst, dann wird das Webstückchen zum Glücksbringer, den du verschenken kannst.“ Wer eins aus dem Automaten zieht, hat selbstverständlich schon einen Glücksbringer gezogen.



Der einarmige Kunstbandit
Beim Kunstbanditen geht es nur darum, die anderen Motive anzuschauen und Lust auf noch einen Zug zu bekommen. Man weiß ja nie, was da drin ist. Vielleicht denkst du: „Mensch, ich gehe noch mal am Kunstautomaten vorbei und ziehe das Motiv, das ich mir eigentlich gewünscht habe.“ Oder: „Bin ich froh, dass meins rausgekommen ist, dieses hier gefällt mir ja überhaupt nicht.“

Alle Muster: echte Webstückchen, von Hand gewebt auf Pappe. Die echten Magnete stecken im Braunschweiger Kunstautomaten.
Wie es weitergeht
Ich habe Roberta die Schachteln feierlich übergeben, ab Oktober füllt sie sie in den Automaten. Sie hat gesagt, ich kann gern dazukommen, dann führe ich ein kleines Interview mit ihr, vielleicht machen wir ein kleines Video, und ich erkläre genau, wo der Kunstautomat steht: direkt vor dem Kleinen Haus des Staatstheaters, wo er die alten Tabakautomaten ersetzt. Damit alle, die Braunschweig besuchen, ihn auf jeden Fall finden.



Wie es mit den Webstückchen weitergeht, weiß ich noch gar nicht. Wenn ihr sie mögt, gibt es sicher Optionen für eine weitere Serie. Das hier ist die erste, und ich freue mich darauf, sie live zu sehen. Wenn du dir ein Webstückchen gezogen hast, freue ich mich über ein Foto bei Instagram, verlink dabei gern meinen Account @sandiskolumne.
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