Holzschiffchen mit hellblauem Garn liegt auf dem frisch gewebten Karomuster in Orange, Hellblau und Petrol

Kette, Kamm und Karos: Schalweben am Ashford

Es könnte auch heißen: Kette, Kamm und Chaos, weil es am Anfang immer alles etwas wild aussieht. Wenn man mit mehreren Farben arbeitet, die Kette macht und danach anfängt, alles zu sortieren, bis jeder Faden seinen Platz hat und man endlich anfangen kann zu weben, muss man einfach ein bisschen Geduld haben.

Zwei weiße Körbchen mit orangefarbenem und hellblauem Garn, davor ein petrolfarbener Strang Rauma-Garn

Beim Erstellen der Kette bekommt jede Farbe ihr eigenes Töpfchen. So kann das jeweilige Wollknäuel in seinem Töpfchen herumspringen, ohne sich mit den anderen Farben zu verheddern. Glaub mir, das ist wirklich eine gute Sache! Und ja: Für das Foto hätte ich den Schreibtisch vorher aufräumen können, aber für die hastige Momentaufnahme musst du jetzt damit leben.

Die Kette entsteht

Gestreifte Kette in Orange, Hellblau und Petrol wird mit schwarzem Trennpapier auf den Kettbaum gewickelt

Der Ashford ist ein sogenannter Rigid Headle in 80 cm Breite und ich habe hier zwei Kämme eingesetzt und zwei Pick-up-Sticks, um einen Köper zu weben. Was mit einem Rigid-Headle-Webstuhl oder Webrahmen eigentlich nicht vorgesehen ist in dieser Form. Aber mit Tricks und verschiedenen Anweisungen aus dem Internet und ein bisschen Geduld funktioniert das sehr gut.

Einziehen und anweben

Jetzt sind alle Fäden eingezogen. Für die ersten Reihen verwende ich einfach einen Restfaden zum „Vorweben“, danach beginne ich mit dem „richtigen“ Webgarn. Der Faden vom Vorweben wird am Ende wieder herausgezogen.

Hellblaues Garn ist mit einem festen Knoten an einer glänzenden Metallstange gebunden, der Hintergrund verschwimmt in Grau

Ich bin nicht sicher, ob man den Faden mit einem Webeleinstek sichert, aber auf jeden Fall ist der Faden gesichert. Mit einem Webeleinsteg lassen sich schließlich Boote und Schiffe festmachen. Da kann es ja für einen Webfaden auch nicht falsch sein.

Für den Schal verwende ich diese Schiffchen mit den einzelnen Spulen. Ich habe dafür die zwei Hauptfarben auf Spulen und die anderen Farben auf ganz normalen einfachen Schiffchen.

Spulen, Schiffchen, los

Ich mag diese Webschiffchen sehr! Sie sind so schön gearbeitet. Sie sind echte Handschmeichler und das macht wirklich Spaß, mit ihnen dann zu weben.

Holzschiffchen mit hellblauem Garn liegt auf dem frisch gewebten Karomuster in Orange, Hellblau und Petrol

Bei dem Muster habe ich mich für ein sogenanntes Tartan-Muster entschieden. Nein, das ist jetzt nicht ein Muster eines schottischen Stamms, sondern es ist eine bestimmte Webreihenfolge, so würde ich es mal nennen. Ich habe 16 Fäden in Blau und dann habe ich dazwischen zwei Fäden in Grün und so weiter.

Man webt genauso viele Reihen, wie man Fäden hat. Auf der linken Seite zum Beispiel, habe ich zwölf orangefarbene Fäden. Zwei grüne Fäden, dann, sind das acht Fäden, danach kommen zwei Fäden in Beige und wieder acht Fäden in Orange. Das nehme ich gleichzeitig als Ansage für die entsprechenden Webreihen. Ich würde also jetzt:

  • 12 Reihen mit Orange weben
  • 2 grüne Reihen
  • 8 orangefarbene Reihen
  • 2 beige Reihen
  • 8 orangefarbene Reihen.

So geht das weiter durch das gesamte Muster und so ergibt sich eben dieses besondere Karo-Muster. Ein echter Klassiker. Macht auch richtig Spaß, das Muster zu weben.

Es ist immer wirklich toll, auf das Gesamtwerk zu schauen. Am Ende, wenn man einen Schal oder ein anderes Stück zu Ende gewebt hat, fühlt sich das immer toll an. Ich streichle da gerne immer noch mal über den gesamten Stoff, bevor ich ihn langsam abwickle und mich darüber freue, was ich hier geschaffen habe. Neben der Ungeduld zwischendurch ist es einfach auch eine sehr, sehr meditative und beruhigende Arbeit. Ich kann es sehr empfehlen.

Bevor der fertige Schal vom Rahmen abgeschnitten werden kann, nähe ich erst die Fäden ab. Immer vier Fäden zusammen. So kann ich sie einfach ohne dicken Knoten sichern. Das habe ich auch schon zum Beginn so gemacht. Dazu ist es wichtig, dass der Schal auf Spannung ist. Die letzte Reihe vor dem Abnähen ist tatsächlich ein kleiner Webfehler, aber das ist egal. Das ist meine persönliche Note.

Kettfäden in Orange, Himmelblau, Dunkelgrün und Beige laufen durch den Ashford-Webkamm, darunter beginnt das Karogewebe

Runter vom Rahmen

Jetzt wird es ernst. Mehr kann nicht gewebt werden, sonst ist der Schal sehr auf Spannung. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als ihn einfach vom Webstuhl abzuschneiden. Auch so ein toller Moment! Fertig ist er damit natürlich weiterhin nicht, aber auf dem besten Weg dahin.

Eine Schere trennt die Kettfäden in Orange, Himmelblau und Dunkelgrün durch, der fertige Stoff wird vom Webrahmen geschnitten

Fühlt sich gut an. Zum Glück kann nichts aufribbeln und ein Schal aus Baumwolle ist auch gar nicht so leicht. Also, ich meine das Gewicht jetzt, ne?

Eine Hand hält den frisch gewebten Karostoff in Himmelblau, Orange und Dunkelgrün, oben hängen dicke orange Fransenbündel

All diese kleinen Fäden müssen jetzt noch vernäht werden. Das ist etwas, was ziemlich nervt, aber wenn man vor dem Fernseher sitzt, lässt sich das auch ganz nebenbei gut machen.

Karo, fertig, Schal

Das Karogewebe in Himmelblau, Orange, Dunkelgrün und Beige fällt in weichen Bahnen, jede Fadenkreuzung ist deutlich zu erkennen

Zum Vernähen nehme ich eine dicke Nadel, die zum Vernähen oder Nähen mit Wolle oder zum Sticken gedacht ist. Es ist eine stumpfe Nadel mit einem größeren Nadelöhr für einen dickeren Faden.

Wenn alle Fäden vernäht sind, wird der Schal gewaschen, bei der für Wolle höchsten Temperatur. Ich habe jetzt hier mit 40°C gewaschen beim ganz normalen Baumwollstoff.

Das Material

Für den Schal habe ich das Garn „Petunia“ von Rauma verwendet. Das kaufe ich natürlich bei Kari in der Webstube. Folgende Farbnummern habe ich verwendet:

  • Orange 225
  • Frisk blau 340
  • Beige 220
  • Dunkelgrün (Mork Petrol) 301

Zusammensetzung: 100 % Pima-Baumwolle
Gewicht: 50g
Lauflänge: 110 m
Nadelstärke: 3-4 mm
Maschenprobe: 20-22 M  = 10 cm
Pflege: maschinenwaschbar, Feinwäsche 60°C
Hersteller:
 Rauma

Bei den Mengen muss ich zukünftig aufmerksamer sein, um sie dir hier zu beschreiben. Wenn ich mich richtig erinnere, dann habe ich von Beige und Dunkelgrün jeweils ein Knäuel genutzt und von den anderen beiden jeweils drei. Ich habe aber die Reste noch für den Taschengurt genutzt. Mehr Info dazu findest du hier.

Sandra Dirks trägt den fertig gewebten Karo-Schal in Türkis, Koralle und Orange locker um den Hals zum orangefarbenen Shirt

So sieht das Modell dann passend zum Shirt einfach um den Hals gelegt aus.

Wie ist das bei dir? Webst du auch? Wie geht es dir, wenn du etwas fertiggestellt hast? Schreib es mir gerne in die Kommentare.

Sandra Dirks – Grußformel am Schluss des Artikels

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